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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

Was will ich? Januar 28, 2013

Letzte Woche habe ich rund um die Uhr Bewerbungen geschrieben.

Nicht nur auf Koordinatoren- und wissenschaftliche Positionen, sondern auf ALLES, was ich irgendwie für möglich gehalten habe.

Morgen habe ich deshalb bei einer Jobagentur ein Vorstellungsgespräch, es geht dabei allerdings um eine Stelle als Kassiererin.

Das hat nun dazu geführt, dass ich mir einige grundsätzliche Fragen stellen muss/musste:

Will ich als Kassiererin arbeiten? Bringt mich das in meiner beruflichen Karriere weiter? Habe ich dann immernoch die Motivation weiterhin Bewerbungen zu schreiben? Kann ich es mir leisten, auf das Geld aus diesem Job zu verzichten, um weiterhin geduldig zu sein? Warum hat mich die Jobagentur überhaupt eingeladen?

Das hat dann unweigerlich zu noch mehr Fragen geführt:

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Welche Werte sind mir persönlich wichtig?

War ein anstrengendes Wochenende, und so richtig bin ich auch noch nicht auf den Kern gestossen. Das sind natürlich alles Punkte, die man vor einer Bewerbung klären sollte, spätestens aber vor einem Vorstellungsgespräch.

Auf jeden Fall werde ich morgen in die Jobagentur gehen und diese Erfahrung mitnehmen. Ich glaube nicht, dass ich jeden Tag als Kassiererin arbeiten möchte/kann. Vielleicht haben die aber auch noch andere Jobs, die mir wirklich weiterhelfen.

 

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Sex sells Juli 1, 2012

Nach dem ich nun wieder zu Hause angekommen bin, habe ich einigen Freunden schon von der Absage in Berlin erzählt.

Und was für einen Kommentar höre ich am meisten?

„Dann hättest du dich eben hochschlafen müssen“ – schließlich steht ja überall, dass Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt werden würden.

Dieser Kommentar regt echt zum Nachdenken an. Im ersten Moment denkt man natürlich, wirklich? geht´s noch? oder : wie sexistisch!

Und ich will auch nicht sagen, dass ich das machen würde, aber überlegt doch mal:

eine feste Stelle, super Gehalt, super Aufstiegschancen- und das für einmal Körper verkaufen! Ist doch super bezahlt, ich glaube, wenn ich auf die Straße gehen würde, würde ich nicht so viel bekommen 😉

Und wer sagt denn, dass sowas nicht auch bloß eine Art Bestechung oder Vitamin B ist (B statt für Beziehungen eben für body- Englisch für Körper)?

Scheint ja auch wirklich schwierig für Unternehmensleiter oder Personaler zu sein, zwischen all den eventuell „gleichwertigen“ Bewerbern den Besten rauszusuchen.

Da hat man eben grade mal den richtigen Sport unter Hobbies angegeben oder den Vater mit den guten Kontakten. Genauso was hilft ja dann, Entscheidungen zu begünstigen.

Da ich leider aus einer Familie ohne Biologen komme, helfen mir solche Familienkontakte nicht weiter. Und in der Industrie kenne ich auch kaum jemanden. Da muss ich mir überlegen, eben doch mal auf diese Messen zu gehen, bin eigentlich gegen solche Massenveranstaltungen und den direkten Konkurrenzkampf um ein 5 Minuten Gespräch.

Aber vielleicht ist das ja auch mal eine Art Herausforderung für mich. Und wer weiß, vielleicht hilft es ja, so ganz ohne Körpereinsatz!

 

Ost und West nach der Promotion Juni 4, 2012

Hier etwas worüber ich mir Gedanken mache:

Achten potentielle Arbeitgeber darauf, ob ich meine Ausbildung und Erziehung eher in Ostdeutschland oder in Westdeutschland erhalten habe? Beeinflusst sie das negativ, dass ich aus einer ostdeutschen Stadt komme?

Im Internet habe ich dazu eine interessante Promotionsarbeit von Maya Gulyanska gefunden (auch wenn hier mehr die IT Berufe im Vordergrund stehen):

Ost-West-Unterschiede in wirtschaftsrelevanten Teilgebieten der Persönlichkeit

„In der Literatur wird oft über die mangelhafte Arbeitseinstellung der Menschen im Sozialismus
berichtet. Lewada (1992) schreibt, dass viele Mitarbeiter in sozialistischen Betrieben oft nur den
Schein einer intensiven Tätigkeit am offiziellen Arbeitsplatz erweckten, um der zynischen
Ausbeutung durch den Staat auszuweichen, gefolgt von der heimlichen Devise „Wir tun so, als ob
wir arbeiten, der Staat tut so, als ob er uns bezahlt“. Die Kraft wurde für die Regelung persönlicher
Angelegenheiten gespart, so dass sich die Leistungsmotivation aus dem beruflichen in den privaten
Bereich verlagerte. Auch Stieler (1993) berichtet über Probleme mit der Einstellung zur Arbeit,
Motivationsmängel, geringem Engagement, zu geringer Bereitschaft zu intensiver Arbeit, schwach
entwickeltem Mitverantwortungsgefühl, sowie kaum ausgeprägter Liebe zum Beruf und wenig
Identifikation mit dem Unternehmen in ostdeutschen Betrieben.“

„In einer Untersuchung von Capital-Rat-Führung (1990) zeigte sich im Rahmen eines Management
Audits, dass ostdeutsche Führungskräfte Defizite in den Persönlichkeitsdimensionen „Dominanz“,
„Belastbarkeit“, „Selbstvertrauen“, „Kontaktfähigkeit“ und „Kontaktfreude“, „Aufstiegswille“,
„Aufgeschlossenheit“, „Flexibilität“, „Spontaneität“ und „Einfühlungsvermögen“ aufwiesen (zitiert
nach Junghans, 1994).“

Im Vergleich haben dann Ostdeutsche doch ein paar Vorteile:

„Insgesamt zeigen sich auf Basis der – der wissenschaftlichen Literatur bisher vorliegenden, auf
unterschiedlichen Stichproben gewonnenen und mehrfach replizierten – empirischen Daten höhere
Werte bei westeuropäischen im Vergleich zu osteuropäischen Mitarbeitern in folgenden
wirtschaftsrelevanten Persönlichkeitsdimensionen:
– Selbstwirksamkeit, Kontrollüberzeugung, internale Ursachenzuschreibung, Aufstiegserwartung
– Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme, Selbständigkeit, Eigenständigkeit
– Eigeninitiative, Umstellungsbereitschaft, Innovationsfreude
– Handlungsorientierung, Entscheidungsfreude, Risikobereitschaft
– Leistungsorientierung, Zielorientierung, Erfolgsorientierung, Suche nach Erfolg als
Leistungsmotiv, Anspruchsniveau, Aufgabenorientierung, Planungshorizont
– Karriereorientierung, Zukunftsorientierung, Führungsorientierung
– Lernbereitschaft
– Wettbewerbsorientierung, Kundenorientierung
– Flexibilität, Mobilitätsbereitschaft bezüglich Gestaltung des Arbeitsortes
– Extraversion, soziales Auftreten
– Fähigkeit zum Erfolg, Intellektuelle Effizienz
– postmaterialistische berufsbezogene Werthaltungen.
Des Weiteren konnten in unterschiedlichen Studien höhere Werte bei osteuropäischen im Vergleich
zu westeuropäischen Mitarbeitern in folgenden wirtschaftsrelevanten Persönlichkeitsdimensionen
nachgewiesen werden:
– Self-monitoring, Streben nach sozialer Anerkennung, Abhängigkeit, Akzeptanzbemühen auf
Grundlage eines überhöhten sozialen Sicherheitsbedürfnisses,
– Soziabilität, Teamorientierung, Hilfeleistungsmotiv in beruflich relevanten Situationen,
Verantwortlichkeit bezüglich der Beziehungsebene
– Frustrationstoleranz
– Externale Ursachenzuschreibung
– Verantwortungsablehnung, Kontrollablehnung, Furcht vor Übernahme von Führungsaufgaben
– Ausweichverhalten, Konfliktscheue, Entscheidungs- und Risikounfreudigkeit
– Lageorientierung, Gegenwartsorientierung, Misserfolgsorientierung, Misserfolgsmeidung als
Leistungsmotiv, Tendenz zur hartnäckigen Zielverfolgung, Suchorientierung
– Konvention, Regel- und Autoritätsorientierung
– materialistische und kollektivistische berufsbezogene Werthaltungen.“
Aber sollte das wirklich ein Entscheidunsgfaktor für Personaler sein?

Sollte nicht vielleicht eher die persönliche Ausprägung und Bildung jedes Einzelnen im Vordergrund stehen?

 

 

 

 
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