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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

Jahresendgespräch Januar 6, 2014

Stell dir vor, du bist fertig mit deiner Promotion. Und jetzt nicht der High-End-Überflieger mit einer Nature oder Science Publikation, ohne einen Prof. oder Gruppenleiter im Rücken, der dich unterstützt. Stell dir vor, du hast niemanden, der dir hilft beim Schreiben von Stipendien-Anträgen und Fördermitteln und stell dir vor, du hast nicht genug Vitamin B, um als Post Doc in einem namenhaften Labor forschen zu können.

Du bist sehr gut ausgebildet und qualifiziert und bewirbst dich dennoch auf alles, was du finden kannst: Laborassistenzstellen, Technische Assistenzstellen, Hilfswissenschaftlerstellen. Und dann bewirbst du dich auf Stellen im Callcenter oder als Verkäufer im Bioladen auf 400€ Basis. Dort würde man dich auch nehmen, aber das bringt dich zum Zweifeln, denn du bist ja promoviert.

Gibt es da nicht mehr? Kannst du nicht etwas arbeiten, dass Spaß macht UND auch deiner Qualifizierung entspricht? Womit du vielleicht doch mehr als das Deutsche Durchschnittsgehalt von 29.584 € Brutto/ Jahr verdienen kannst und das als Berufseinsteiger?

Und ja, sowas gibt es. Davon habe ich im vergangenen Jahr berichtet, fort von der Wissenschaft, hin zum Unternehmen. Nie wieder Anträge auf Gelder schreiben, nie wieder den ermüdenden Mühlenprozess mit Reviewern für Publikationen durchleben, nie wieder wie der totale Versager fühlen, weil man bloß „mittelmäßig“ publiziert hat.

Natürlich muss man in einem Unternehmen neue Dinge lernen, Hierarchien funktionieren hier etwas anders. Auch kann man jederzeit die Kündigung bekommen, während man bei einem Stipendium für zum Beispiel 3 Jahre fest mit dem Geld planen kann. Und auch in Unternehmen können Prozesse manchmal sehr lange dauern.

Zum Jahresende gab es bei uns für alle Mitarbeiter ein Jahresendgespräch, mit einem Feedback zum vergangenen Jahr und einem Ausblick auf die kommende Zeit. Da ich erst einmal in Elternzeit gehe, war der Ausblick für mich etwas weiter entfernt, dafür aber nicht weniger motivierend: Mein Vertrag wurde in einen unbefristeten Vertrag umformuliert, ich bekomme mehr Urlaub, mehr Gehalt und es gab eine Jahresprämie. Und wenn ich wieder da bin, darf ich wahrscheinlich auch mehr Verantwortung übernehmen als jetzt.

Laut Spiegel verdienen 60% der Deutschen weniger als ich. Wer weiß, wie diese Statistik zusammenkam, aber es gibt mir ein gutes Gefühl. Vielleicht hilft euch dieses Tool ja dabei, ein realistisches Gefühl für eure Gehaltsvorstellungen zu entwickeln.

Natürlich gibt es auch hier wieder Überflieger, die gleich mehr verdienen, das können sie gern tun. Ich bin zufrieden mit dem Start und auch gespannt wie es weitergeht.

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Karrieregedanken August 2, 2013

Mittlerweile sind 3 Monate vergangen. Ab der nächsten Woche habe ich dann auch ein wenig mehr Verantwortung, da ein neuer Schwung Praktikanten bei uns anfangen wird.

Da müssen jetzt Schulungen organisiert und Einarbeitungspläne erstellt werden, Projekte definiert werden und ich selbst, werde auch eine der Praktikantinnen betreuen.

Das ist dann auch ein ganz guter Zeitpunkt, die Sommerferien sind vorbei und es wird in neue Verkaufsprojekte gestartet, bzw. kommen meine Mitarbeiter auch aus dem Urlaub wieder und einige Projekte können endlich weiter gehen.

Ich bin auch gerade in einer Phase, wo ich mich langsam eingearbeitet habe und ich mich frage, wohin ich will. Was sind meine weiteren Pläne? Sicher muss ich ein Jahr Berufserfahrung sammeln, bevor irgendwas weiterläuft, auch einfach um abgesichert zu sein.

Aber sollte man in der Zeit nicht schon an seiner weiteren Ausbildung oder Karriere arbeiten? Will ich überhaupt Karriere machen? Brauche ich mehr Geld zum Leben (immer 😉 ) und was will ich mir davon leisten? Erfüllen mich meine Arbeitsaufgaben mit Zufriedenheit oder ist mir das auf Dauer ein wenig zu eintönig? Was kann ich mit meiner Berufserfahrung auf meinem weiteren Berufsweg erreichen? Welche Fähigkeiten sollte ich mir noch aneignen? Lohnt sich ein Fernstudium?

Ich habe das Gefühl in meiner Firma bin ich damit relativ alleine, alle scheinen mit ihren Stellen rundum zufrieden zu sein und auch schon so festgelegt, es scheint zumindest intern gar keinen Platz für einen Aufstieg zu geben.

Sicher habe ich für alle Entscheidungen noch etwas Zeit, zumindest bis zum Ende der Probezeit. Aber das sind alles Fragen, die mich beschäftigen.

 

Was macht die da? Mai 17, 2013

Filed under: Gehalt,Jobsuche,Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 4:04 pm

Jetzt sind schon 2 Wochen rum in denen ich offiziell angestellt bin. Ein halbes Gehalt ist also schon verdient.

Mittlerweile sind alle Unterlagen beim Arbeitgeber eingereicht (für Job-Neueinsteiger: ihr müsst bei eurem zuständigen Finanzamt eine sogenannte „Bescheinigung über den Lohnsteuerabzug 2013“ beantragen, erst danach bekommt ihr Gehalt und alles Weitere passiert dann auf elektronischem Wege).

Dann habe ich jetzt nach und nach alle Zugriffsrechte und Ähnliches bekommen und mich an meinem Arbeitsplatz eingerichtet.

Was sind nun also meine Aufgabenschwerpunkte?

Ich bin angestellt als Vertriebsassistenz, und bin damit für die Unterstützung der Key Account Manager für den Außendienst zuständig. Das heißt ich bearbeite Kundenanfragen von draußen oder Anfragen der einzelnen Vertriebler, die ich hier dann im Haus mit dem Marketing, der Forschungsabteilung,  der Produktion, dem Versand oder auch Kunden klären kann. Außerdem kann ich dann in Zukunft alle Infos über Zahlen und Angebote sofort zur Verfügung stellen und damit die Vertriebler entlasten. Das soll dann am Ende zu mehr Umsatz führen.

Ein anderer Aufgabenbereich ist die Werbung und die Präsentation der Firma nach außen hin. Ich recherchiere mögliche Werbeplätze (online und Print), verbessere unsere Internetpräsenz auf verschiedenen Portalen, schreibe Umfragen aus, Einladungen oder Flyer und verfasse redaktionelle Beiträge.

Insgesamt ist die Arbeit bisher sehr abwechslungsreich, ich lerne jeden Tag Neues dazu und kann immer wieder anders kreativ sein, das macht wirklich Spaß. Und ich kann auch immer wieder meine Biologie-Kenntnisse anwenden, zumindest im Bereich Molekularbiologie.

Die Hierarchie in der Firma habe ich noch nicht ganz durchschaut, von daher, immer schön zurückhalten, zuhören und abwarten.

Was ich bisher ganz gut finde, ist auch das regelmäßige Feedback vom Chef, gerade am Anfang finde ich das echt wichtig, damit man nicht in die falsche Richtung steuert und so Zeit und Potential verschwendet. Mindestens einmal die Woche gibt es daher ein Meeting.

Hoffen wir also, dass es weiterhin gut läuft.

 

Angekommen! April 25, 2013

Filed under: Gehalt,Inland oder Ausland,Jobsuche,Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 4:48 pm

Nach nun einem guten Jahr auf meinem Weg von der Wissenschaft in die Wirtschaft möchte ich das Jahr gerne zusammenfassen. Und erst einmal das Wichtigste: Ich bin angekommen!

Im Februar 2012 habe ich meine Promotion eingereicht, bis zum Juli habe ich dann noch im Labor gestanden, Projekte beendet, Publikationen geschrieben und im Juli habe ich verteidigt. Dann folgten Humboldt und Marie Curie Anträge, Reisen und Vorstellungstermine (Wien und China) durch das Orientierungsstipendium einer Graduiertenschule und dann von Oktober bis Dezember mein Forschungsaufenthalt in China. In dieser Phase habe ich mich immer mehr in Richtung Unternehmen orientiert, das heißt, ich wollte immer weniger in der Forschung bleiben und habe sukzessive immer mehr Bewerbungen in Richtung Wirtschaft geschrieben.

Zum Jahreswechsel beschloss ich meine Strategie zu wechseln, nachdem ich in China nicht das Potential sah, meine Zukunft zu gestalten und bin in eine der deutschen Städte mit dem größten Potential in Bereich Biotech und Bio Start Up gezogen- nach Berlin. Sicher kann man sich über die Ortwahl streiten, da es mich jedoch vor allem persönlich dort hinzog, bin ich im Januar 2013 nach Berlin gegangen.

Hier habe ich von Februar bis April ca. 100 Bewerbungen an Firmen vor Ort geschrieben, hatte 4 Vorstellungsgespräche und habe seit März zwei Praktika absolviert. Eines in einer Biotech Firma für 2 Monate in Vollzeit und eines als „freier Mitarbeiter“ im Bereich Wissenschaftskommunikation. Dadurch konnte ich Einblicke in beide Bereiche bekommen, einmal in ein Unternehmen, welches selbst forscht und die Produkte dann vermarktet und verkauft und in die Öffentlichkeitsarbeit. Dadurch haben sich viele sinnvolle Kontakte ergeben, viele Personaler haben mit mir telefoniert und warten scheinbar bloß darauf, dass ich ein halbes bis ein Jahr Berufserfahrung habe. Zwei weitere Vorstellungsgespräche in dieser Woche habe ich abgesagt, genauso wie ein Stipendium für Wien.

Auf jeden Fall habe ich daraus Folgendes gelernt:

  • So viele Bewerbungen wie möglich schreiben! Vor allem in der Bio- Industrie kommt es NICHT auf personalisierte Anschreiben an, verfasst ein Schreiben, das zu allen Stellen passt auf die ihr euch bewerbt, ändert bloß die Anschrift, den Namen und den Grund eurer Bewerbung passend zur Ausschreibung. Dann immer schön senden klicken! Je mehr umso besser! Von 100 Bewerbungen hatte ich 4 Gespräche. Da könnt ihr euch den Umsatz selbst ausrechnen.
  • Jobsnewsletter helfen nur bedingt weiter, ich hatte echt viele abonniert, am besten fand ich jobworld, denn da sind immer alle ausgeschriebenen Stellen aufgetaucht.
  • Initiativ bewerben! Sucht euch im Netz das Branchenverzeichnis eurer Zielgegend aus und schreibt alles an!! Auch hier geht es über Masse! Oft werden Stellen nur pro forma ausgeschrieben oder es werden nur schwer zu besetzende Stellen veröffentlicht (die sonst an Mitarbeiter oder über interne Kontakte besetzt werden würden). Aber landet eure Bewerbung zum richtigen Zeitpunkt auf dem Tisch, habt ihr gute Chancen gleich in den Auswahlprozess integriert zu werden.
  •   Praktikum hin oder her, mir hat es geholfen. Überlegt euch, wie viel ihr aus einem Praktikum lernen könnt, begrenzt es auf einen engen Zeitraum und macht das Beste draus! Oder sucht euch einen Nebenjob in eurem Fachbereich. Vom zuhause bleiben ergeben sich weder Kontakte noch Erfahrungen!
  •  Geht auch zu Gesprächen, die nicht eure Traumstelle beworben haben! Hier könnt ihr super üben, und auch Kontakte knüpfen. Vielleicht ist die Stelle ja doch genau die Passende oder es gibt auch noch andere Positionen zu besetzen? Genau das Gleiche gilt für Telefoninterviews, und wenn ihr mit dem 20. Personaler sprecht, diese Übungen sind wichtig. Auch bekommt ihr von Personalern Infos zu Stellen, zum Gehalt und sogar zu euren Bewerbungsunterlagen. Fragt nach der Meinung dieser Menschen, die jeden Tag Bewerbungen sortieren, wie kam euer Anschreiben an, wie hoch darf euer Gehalt sein, wie wirkt euer Foto.

 

Diese Woche habe ich nun meinen ersten Arbeitsvertrag in der Industrie unterschrieben und bin schon gespannt wie es weitergehen wird. Natürlich werde ich weiterhin darüber berichten, was ich hier im Unternehmen lerne, was wird wirklich anders sein als an der Uni? Wie wird mir die Arbeit hier gefallen? Wie fühlt man sich in der Industrie, und wie kommt man voran?

 

Netzwerken März 14, 2013

Am 5.03. hatte ich mein erstes Vorstellungsgespräch, dass sich aus der Flut an Bewerbungen ergeben hat, die ich geschrieben habe.

Das Gespräch war ganz gut, die Firma bietet Microarry Lösungen an (Genexpressionsanalysen), und ist ein relativ junges Start Up Unternehmen. Ungewöhnlich war, dass ich im Gespräch zeitgleich mit einer Mitbewerberin saß, wir mussten beide einen kurzen Vortrag halten, zu diesem dann Fragen beantworten und dann wurden wir noch kurz einzeln befragt. Da weiß ich aber noch nicht was dabei rausgekommen ist, die wollten noch mehrere Bewerber interviewen und die Ansprechpartnerin ist bis Montag im Urlaub.

Am Dienstag nach dem Gespräch hat mein Praktikum bei einem Biotech Unternehmen in Potsdam begonnen, bis jetzt habe ich da auch schon wirklich viel gelernt, aber vor allem eins: Netzwerken. Da bin ich im Bereich Sales und Marketing, aber schon mit Schwerpunkt Kundenkontakte generieren. Dafür habe ich jetzt angefangen alle Leute, die mir so einfallen, anzuschreiben, anzufragen oder anzurufen, denn nur im Internet nach Firmen googeln hilft meist nicht weiter. Auch für den Bewerbungsprozess fand ich das Vernetzen in XING und LinkedIN hilfreich, XING ist meiner Meinung nach eher Deutschland-lastig und LinkedIN mehr international. Und fast jeder, den ich anschreibe, vernetzt sich mit mir, und wenn nicht, dann sind das meist Leute, die dann XING doch sehr selten oder nie nutzen.

Ich habe aber auch schon beobachtet, dass Personaler vor allem nach Bewerbungseingang sofort schauen, ob sie über XING weitere Informationen sammeln können. Deswegen wichtig: UNBEDINGT immer den Lebenslauf abgleichen und schön aktuell halten, dann kann es dann auch mal passieren, dass man von einem Personaler angerufen wird. Mich hat tatsächlich eine angerufen, allerdings lief das Projekt nicht in Berlin und nur als Freiberufler, damit habe ich leider gar keine Erfahrungen.

Nebenbei arbeite ich jetzt noch für den VBio, schreibe da kurze Zusammenfassungen für den wöchentlichen Newsletter zu aktuellen Publikationen. Dafür geht dann zwar Abends immer mal etwas Freizeit drauf, aber ich lese endlich mal wieder mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen und ich lerne hier schon wesentliche Punkte für die Arbeit im Bereich Forschungskommunikation.

Dienstag habe ich dann noch ein Vorstellungsgespräch bei einer Pharmafirma als Pharmareferent, das Thema hatte ich ja schon letztes Jahr, aber da die mich von selbst wieder angeschrieben haben werde ich da auch hingehen und mir das mal anhören, schließlich muss sich in einem Vorstellungsgespräch auch die andere Seite vorstellen.

 

 

Neustart Januar 13, 2013

Über Weihnachten und Silvester haben sich privat bei mir einige Dinge verschoben. Konkret heißt das jetzt: Ich werde nicht zurück nach China gehen. Ich bin wieder arbeitssuchend. Und ich plane nach Berlin zu ziehen.

Warum jetzt ausgerechnet Berlin?

Das versteht man wahrscheinlich nur, wenn man selbst in Berlin wohnt oder jemanden kennt, der dort lebt. Anscheinend gibt es nämlich sowas wie den „Berlin Effekt“: Sobald man als Adresse Berlin angibt und sich in Berlin bewirbt, scheint man irgendwie ernst genommen zu werden. Und selbst wenn man sich in einer anderen Stadt bewirbt, scheint das „Berlin“ in der Adresszeile eigene Anziehungskräfte zu haben.

Ich werde das jetzt ausprobieren. In einer deutschen Großstadt habe ich auch noch nie gelebt. Auf jeden Fall gibt es dort mehr Unternehmen und Möglichkeiten als in Jena. Und es ist immer noch günstiger dort zu leben als in München und gemütlicher als in Frankfurt. Ich bin jedenfalls gespannt und werde euch hier auf dem Laufenden halten. Vielleicht klappt es dann ja doch noch mit der Stelle in einem Unternehmen:)

Ich werde natürlich auch die Chance wahrnehmen über Berlin und meine Erfahrungen dort auch außerhalb der Jobsuche zu schreiben,

wenn ihr mögt, findet ihr den Blog dazu hier:

Ein Jahr in Berlin

 

 

Bewerben und Packen September 26, 2012

Heute war ich nun das zweite Mal in Berlin und habe mein fertiges Visum abgeholt, nächste Woche geht es also nach China für ein halbes Jahr mit Weihnachts- und Skipause.

Mittlerweile denke ich auch schon wieder drüber nach, welche Projekte ich bearbeiten werde und wie und was und wo ich veröffentlichen werde.

Denn wenn ich schon nach China gehe soll die Zeit dort dann wenigsten sinnvoll genutzt werden.

Mein Gehalt da wird ungefähr der maximale Hartz4 Satz sein (das DAAD Stipendium bekomme ich leider nicht), aber hoffen wir mal, dass mein Lebenslauf dadurch dermaßen aufgewertet wird, dass es im Nachhinein nicht schadet, sondern sich eher noch lohnt.

Ich habe mich diese Woche auch mal bei Siemens beworben, die haben da so ein durchgeplantes Graduiertenprogramm um sich ihre zukünftigen Manager zu erschaffen, und die nehmen sogar ab und an auch mal Biologen 😉 Also, Daumen drücken.

 

 
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