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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

Angekommen! April 25, 2013

Filed under: Gehalt,Inland oder Ausland,Jobsuche,Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 4:48 pm

Nach nun einem guten Jahr auf meinem Weg von der Wissenschaft in die Wirtschaft möchte ich das Jahr gerne zusammenfassen. Und erst einmal das Wichtigste: Ich bin angekommen!

Im Februar 2012 habe ich meine Promotion eingereicht, bis zum Juli habe ich dann noch im Labor gestanden, Projekte beendet, Publikationen geschrieben und im Juli habe ich verteidigt. Dann folgten Humboldt und Marie Curie Anträge, Reisen und Vorstellungstermine (Wien und China) durch das Orientierungsstipendium einer Graduiertenschule und dann von Oktober bis Dezember mein Forschungsaufenthalt in China. In dieser Phase habe ich mich immer mehr in Richtung Unternehmen orientiert, das heißt, ich wollte immer weniger in der Forschung bleiben und habe sukzessive immer mehr Bewerbungen in Richtung Wirtschaft geschrieben.

Zum Jahreswechsel beschloss ich meine Strategie zu wechseln, nachdem ich in China nicht das Potential sah, meine Zukunft zu gestalten und bin in eine der deutschen Städte mit dem größten Potential in Bereich Biotech und Bio Start Up gezogen- nach Berlin. Sicher kann man sich über die Ortwahl streiten, da es mich jedoch vor allem persönlich dort hinzog, bin ich im Januar 2013 nach Berlin gegangen.

Hier habe ich von Februar bis April ca. 100 Bewerbungen an Firmen vor Ort geschrieben, hatte 4 Vorstellungsgespräche und habe seit März zwei Praktika absolviert. Eines in einer Biotech Firma für 2 Monate in Vollzeit und eines als „freier Mitarbeiter“ im Bereich Wissenschaftskommunikation. Dadurch konnte ich Einblicke in beide Bereiche bekommen, einmal in ein Unternehmen, welches selbst forscht und die Produkte dann vermarktet und verkauft und in die Öffentlichkeitsarbeit. Dadurch haben sich viele sinnvolle Kontakte ergeben, viele Personaler haben mit mir telefoniert und warten scheinbar bloß darauf, dass ich ein halbes bis ein Jahr Berufserfahrung habe. Zwei weitere Vorstellungsgespräche in dieser Woche habe ich abgesagt, genauso wie ein Stipendium für Wien.

Auf jeden Fall habe ich daraus Folgendes gelernt:

  • So viele Bewerbungen wie möglich schreiben! Vor allem in der Bio- Industrie kommt es NICHT auf personalisierte Anschreiben an, verfasst ein Schreiben, das zu allen Stellen passt auf die ihr euch bewerbt, ändert bloß die Anschrift, den Namen und den Grund eurer Bewerbung passend zur Ausschreibung. Dann immer schön senden klicken! Je mehr umso besser! Von 100 Bewerbungen hatte ich 4 Gespräche. Da könnt ihr euch den Umsatz selbst ausrechnen.
  • Jobsnewsletter helfen nur bedingt weiter, ich hatte echt viele abonniert, am besten fand ich jobworld, denn da sind immer alle ausgeschriebenen Stellen aufgetaucht.
  • Initiativ bewerben! Sucht euch im Netz das Branchenverzeichnis eurer Zielgegend aus und schreibt alles an!! Auch hier geht es über Masse! Oft werden Stellen nur pro forma ausgeschrieben oder es werden nur schwer zu besetzende Stellen veröffentlicht (die sonst an Mitarbeiter oder über interne Kontakte besetzt werden würden). Aber landet eure Bewerbung zum richtigen Zeitpunkt auf dem Tisch, habt ihr gute Chancen gleich in den Auswahlprozess integriert zu werden.
  •   Praktikum hin oder her, mir hat es geholfen. Überlegt euch, wie viel ihr aus einem Praktikum lernen könnt, begrenzt es auf einen engen Zeitraum und macht das Beste draus! Oder sucht euch einen Nebenjob in eurem Fachbereich. Vom zuhause bleiben ergeben sich weder Kontakte noch Erfahrungen!
  •  Geht auch zu Gesprächen, die nicht eure Traumstelle beworben haben! Hier könnt ihr super üben, und auch Kontakte knüpfen. Vielleicht ist die Stelle ja doch genau die Passende oder es gibt auch noch andere Positionen zu besetzen? Genau das Gleiche gilt für Telefoninterviews, und wenn ihr mit dem 20. Personaler sprecht, diese Übungen sind wichtig. Auch bekommt ihr von Personalern Infos zu Stellen, zum Gehalt und sogar zu euren Bewerbungsunterlagen. Fragt nach der Meinung dieser Menschen, die jeden Tag Bewerbungen sortieren, wie kam euer Anschreiben an, wie hoch darf euer Gehalt sein, wie wirkt euer Foto.

 

Diese Woche habe ich nun meinen ersten Arbeitsvertrag in der Industrie unterschrieben und bin schon gespannt wie es weitergehen wird. Natürlich werde ich weiterhin darüber berichten, was ich hier im Unternehmen lerne, was wird wirklich anders sein als an der Uni? Wie wird mir die Arbeit hier gefallen? Wie fühlt man sich in der Industrie, und wie kommt man voran?

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8 Responses to “Angekommen!”

  1. Holger Says:

    Das ist aber alles sehr vage. Wo bist Du untergekommen, was ist das für eine Stelle. Forschung, Vertrieb, Marketing oder was anderes??

  2. Markus Says:

    Erstmal Glückwunsch!! Gerne erfahren wir ein paar Details zum Job…

    Deine Tipps würde ich nur bedingt unterschreiben. Vor allem das mit dem Standard-Anschreiben. Wenn ich kein so gut erzogener Mensch wäre, würde ich das glatt als Quatsch bezeichnen. Ein individuelles (!!), und damit meine ich nicht nur ein auf die Firma angepasstes, sondern eines, das sich in der Formulierung hervorhebt, ist der wahre Eyecatcher. Ein Personaler merkt sofort, ob du dir Mühe gegeben hast, oder nicht. Wenn nein, wandert das DIng sofort in den (virtuellen) Papierkorb.

    Ich habs so gemacht und meine Bilanz sieht ein wenig anders aus:

    – 14 Bewerbungen
    – 3 mal nichts gehört
    – 5 direkte Absagen
    – 4 Vorstellungsgespräche
    – 2 Zusagen

    Und das ganze mit mäßigen Noten, keinen Industriepraktika und null Auslandsaufenthalten.

    • Schön, dass es bei dir geklappt hat.
      Sicher kann jeder eine Strategie für sich finden.
      Ich habe eher die Erfahrung gemacht (und das habe ich auch gesagt bekommen), dass meistens die Anschreiben nicht gelesen werden,
      sondern erst einmal nur der Lebenslauf zählt und im Anschreiben maximal Keywords auftauchen müssen.

      Ich habe Anfangs auch stundenlang dagesessen und individuelle Anschreiben verfasst und da hat sich nur ein Gespräch ergeben und sonst nichts weiter. Deshalb habe ich dann eben die nächste Strategie probiert, mit dem Standard Anschreiben.

      Über den Job schreib ich dann gerne im nächsten Artikel.

  3. einemuellerin Says:

    Vielen Dank für die Einblicke in Deinen Bewerbungsprozess.
    An Initiativbewerbungen habe ich mich bisher nicht herangetraut. Vielleicht werde ich es aber einmal ausprobieren. Hier in meiner Region sind die Stellenangebote im Biotechbereich leider nicht so zahlreich gesäht wie offenbar in Berlin, so dass ich wohl nie auf so eine stolze Zahl an Bewerbungen kommen werde. (Da die Stellen hier so rar sind, gebe ich mir natürlich mit dem Anschreiben sehr viel Mühe. hab ja sonst nichts zu tun 😉 )

    • Aus welcher Gegend kommst du denn? Ich bin ja immernoch der Meinung dass initiativ bewerben die beste Methode ist. Warum machst du nicht ein Praktikum in der Zeit? Bist du orts-gebunden?
      Grüße

      • einemuellerin Says:

        Ja, ich bin ortsgebunden (Kinder…)
        Wegen der Kinder kommt ein Praktikum eigentlich nicht in Frage. Die Kosten wären einfach zu hoch (Kinderbetreuungskosten + Fahrtkosten = ~ 600€/Monat). Praktika sind ja in der Regel unbezahlt, sodass ich mir das einfach nicht leisten kann.
        In Deinem anderen Blog habe ich irgendwo von einer Kollegin mit Kind gelesen. Hat die was gefunden?

      • Hallo,
        Ja aber um eine Betreuung musst du dich ja auch kümmern wenn du dann Arbeit hast? Und ich würde mal behaupten ein Arbeitgeber möchte gerne sehen, dass du das alles schon vorm Arbeiten organisiert hast, damit du wirklich frei verfügbar bist. Für ein Praktikum kann man meist 450€ bekommen.
        Meine Freundin mit Kind hat auch über ein 20 Stunden Praktikum begonnen und wurde dann übernommen. Mach doch ein Praktikum, das nicht 5 Tage die Woche geht oder 40 Stunden. Oft kannst du auch 2 Tage kommen oder nur halbtags arbeiten, denk dir was aus. Kreativität kommt gut an!
        Viel Glück!


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