fromsciencetobusiness

Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

China, elife and more Oktober 19, 2012

Filed under: Inland oder Ausland,Jobsuche,Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 4:16 am

Seit Anfang Oktober bin ich nun als Postdoktorand am Kunming Institute of Botany in China.
Kunming ist eine für chinesische Verhältnisse sehr kleine Stadt (etwa 7 Millionen Einwohner) und wirkt in weiten Teilen auch noch sehr provinzial.
http://wikitravel.org/en/Kunming
Der Campus der Agricultural University und des Instituts of Botany wirken noch ein wenig „DDR-mäßig“, aber einige der Labore sind wirklich spitze. Mein Chef ist einer der Stipendiaten des „100 Talents“ Programm, mit dem die chinesische Regierung exzellente Forscher-vor allem Chinesen- aus dem Ausland wieder zurück nach China holt. Sein Labor ist daher ganz neu eingerichtet, neue Geräte sind beantragt und seine komplette Gruppe ist hier einzigartig, da er hier europäische Maßstäbe anlegt und auch die Struktur der Gruppe dem Max Planck Vorbild nachempfunden hat. Gleichzeitig fallen mir aber auch einige Punkte auf, die in Deutschland so nicht durchgehen würden, wenn es um gentechnische Sicherheit geht (was allerdings nicht wirklich tragisch ist, da meine Modellpflanze zum Beispiel außerhalb des Gewächshauses hier nicht überleben würde). Aber gewöhnungsbedürftig ist es trotzdem. Fast jede Woche, aber mindestens einmal im Monat kommt nun eine Politiker- oder Wissenschaftlerdelegation, um sich unsere Gruppe anzusehen. Dass mein Chef auch noch zwei Deutsche beschäftigt, ist für ihn nochmal gute Werbung.
Grade eben gab es in dem Journal „Nature“ einen Artikel über die weltweite Bewegung in der Forschung, unter anderem erwartet ein Großteil der Wissenschaftler, dass China bis 2020 den größten Einfluss auf die Wissenschaft haben wird.
http://www.nature.com/news/global-mobility-science-on-the-move-1.11602
(Leider kann man den Artikel nicht frei lesen, es sei denn, man sitzt an einem Netz mit Zugriffsrechten.)
Was mich wieder mal zum Thema „open access“ bringt. Das neue Journal „elife“, welches angeblich bald Nature und Science ablösen soll, hat nun seine ersten 4 Artikel veröffentlicht, die jeder lesen kann.
http://www.elifesciences.org/the-journal/articles/
Einer der Artikel ist sogar aus unserer Arbeitsgruppe, von einer Kollegin von mir, es geht darum, wie pflanzliche Duftstoffe die Verteidigung der wilden Tabakpflanze gegen Fraßfeinde beeinflussen. Auf jeden Fall lesbar, da hier auch die Ergebnisse von 2 Jahren Feldarbeit in Utah, USA, vorgestellt werden. Wo es Feldforschung in Europa ja fast nicht mehr gibt.

Advertisements
 

 
%d Bloggern gefällt das: