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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

Ost und West nach der Promotion Juni 4, 2012

Hier etwas worüber ich mir Gedanken mache:

Achten potentielle Arbeitgeber darauf, ob ich meine Ausbildung und Erziehung eher in Ostdeutschland oder in Westdeutschland erhalten habe? Beeinflusst sie das negativ, dass ich aus einer ostdeutschen Stadt komme?

Im Internet habe ich dazu eine interessante Promotionsarbeit von Maya Gulyanska gefunden (auch wenn hier mehr die IT Berufe im Vordergrund stehen):

Ost-West-Unterschiede in wirtschaftsrelevanten Teilgebieten der Persönlichkeit

„In der Literatur wird oft über die mangelhafte Arbeitseinstellung der Menschen im Sozialismus
berichtet. Lewada (1992) schreibt, dass viele Mitarbeiter in sozialistischen Betrieben oft nur den
Schein einer intensiven Tätigkeit am offiziellen Arbeitsplatz erweckten, um der zynischen
Ausbeutung durch den Staat auszuweichen, gefolgt von der heimlichen Devise „Wir tun so, als ob
wir arbeiten, der Staat tut so, als ob er uns bezahlt“. Die Kraft wurde für die Regelung persönlicher
Angelegenheiten gespart, so dass sich die Leistungsmotivation aus dem beruflichen in den privaten
Bereich verlagerte. Auch Stieler (1993) berichtet über Probleme mit der Einstellung zur Arbeit,
Motivationsmängel, geringem Engagement, zu geringer Bereitschaft zu intensiver Arbeit, schwach
entwickeltem Mitverantwortungsgefühl, sowie kaum ausgeprägter Liebe zum Beruf und wenig
Identifikation mit dem Unternehmen in ostdeutschen Betrieben.“

„In einer Untersuchung von Capital-Rat-Führung (1990) zeigte sich im Rahmen eines Management
Audits, dass ostdeutsche Führungskräfte Defizite in den Persönlichkeitsdimensionen „Dominanz“,
„Belastbarkeit“, „Selbstvertrauen“, „Kontaktfähigkeit“ und „Kontaktfreude“, „Aufstiegswille“,
„Aufgeschlossenheit“, „Flexibilität“, „Spontaneität“ und „Einfühlungsvermögen“ aufwiesen (zitiert
nach Junghans, 1994).“

Im Vergleich haben dann Ostdeutsche doch ein paar Vorteile:

„Insgesamt zeigen sich auf Basis der – der wissenschaftlichen Literatur bisher vorliegenden, auf
unterschiedlichen Stichproben gewonnenen und mehrfach replizierten – empirischen Daten höhere
Werte bei westeuropäischen im Vergleich zu osteuropäischen Mitarbeitern in folgenden
wirtschaftsrelevanten Persönlichkeitsdimensionen:
– Selbstwirksamkeit, Kontrollüberzeugung, internale Ursachenzuschreibung, Aufstiegserwartung
– Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme, Selbständigkeit, Eigenständigkeit
– Eigeninitiative, Umstellungsbereitschaft, Innovationsfreude
– Handlungsorientierung, Entscheidungsfreude, Risikobereitschaft
– Leistungsorientierung, Zielorientierung, Erfolgsorientierung, Suche nach Erfolg als
Leistungsmotiv, Anspruchsniveau, Aufgabenorientierung, Planungshorizont
– Karriereorientierung, Zukunftsorientierung, Führungsorientierung
– Lernbereitschaft
– Wettbewerbsorientierung, Kundenorientierung
– Flexibilität, Mobilitätsbereitschaft bezüglich Gestaltung des Arbeitsortes
– Extraversion, soziales Auftreten
– Fähigkeit zum Erfolg, Intellektuelle Effizienz
– postmaterialistische berufsbezogene Werthaltungen.
Des Weiteren konnten in unterschiedlichen Studien höhere Werte bei osteuropäischen im Vergleich
zu westeuropäischen Mitarbeitern in folgenden wirtschaftsrelevanten Persönlichkeitsdimensionen
nachgewiesen werden:
– Self-monitoring, Streben nach sozialer Anerkennung, Abhängigkeit, Akzeptanzbemühen auf
Grundlage eines überhöhten sozialen Sicherheitsbedürfnisses,
– Soziabilität, Teamorientierung, Hilfeleistungsmotiv in beruflich relevanten Situationen,
Verantwortlichkeit bezüglich der Beziehungsebene
– Frustrationstoleranz
– Externale Ursachenzuschreibung
– Verantwortungsablehnung, Kontrollablehnung, Furcht vor Übernahme von Führungsaufgaben
– Ausweichverhalten, Konfliktscheue, Entscheidungs- und Risikounfreudigkeit
– Lageorientierung, Gegenwartsorientierung, Misserfolgsorientierung, Misserfolgsmeidung als
Leistungsmotiv, Tendenz zur hartnäckigen Zielverfolgung, Suchorientierung
– Konvention, Regel- und Autoritätsorientierung
– materialistische und kollektivistische berufsbezogene Werthaltungen.“
Aber sollte das wirklich ein Entscheidunsgfaktor für Personaler sein?

Sollte nicht vielleicht eher die persönliche Ausprägung und Bildung jedes Einzelnen im Vordergrund stehen?

 

 

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2 Responses to “Ost und West nach der Promotion”

  1. Uwe Says:

    Die Liste der Vorteile von Westdeutschen ist aber länger 😉
    Ich kann mir nicht so wirklich vorstellen, dass die Ost/West Sache noch ein Einstellungskriterium ist. Zumindest bei Akademikern… Warum bist du denn auch nicht mal weg aus deiner Heimatstadt zum studieren oder promovieren? Ich glaube DAS sieht schlechter aus.

    • Das liegt daran, dass es in Jena einfach am besten war, die Uni hatte einen guten Ruf und das MPI ja auch:)
      und ich war ja zwischendurch immer mal im Ausland..
      das erinnert mich an einen Artikel in dem es darum ging, Vorteile und Nachteile dieser ewigen Ortswechsel abzuwägen.
      Es kann nämlich auch Vorteile haben, an dem Ort zu studieren UND zu promovieren. Zum Beispiel wenn man während des Studiums schon Kontakte oder Kooperationen gepflegt hat..Aber mit einer anderen Stadt wäre ich auch klar gekommen:) Schließlich sind meine Freunde auch quasi weltweit verteilt 🙂


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