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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

Absagen fast letzter Teil Juni 29, 2012

Bin wieder in Deutschland.

Das Institut in China war wirklich schön, alles noch neu und der Campus ist relativ groß.

Aber ringsrum nur Dorf, und bis zur Stadtmitte sind es ein paar Kilometer, und dazwischen liegen Welten.

Ich habe dort meinen Vortrag gehalten, mich mit meinem Chef besprochen und mir die Wohnung da angeguckt.

Ist ganz nett da, aber man kann nicht wirklich mehr machen außer arbeiten.

Aber, jetzt kommts, Berlin hat mir ja leider abgesagt 😦

Auf meine Nachfrage hin habe ich eine echt liebe Email vom Chef bekommen, hilft mir ja aber auch nicht weiter

Liebe Frau ..,

vielen Dank noch einmal für Ihr Interesse und Ihre große Motivation für die (Firma in Berlin) arbeiten zu wollen.

Allein die Tatsache, dass wir Sie aus weit mehr als 100 Bewerbungen für eine Bewerbungsgespräche eingeladen haben, spricht für Sie und Ihre Qualifikationen. Weiterhin können wir Ihnen versichern, dass Sie bei Ihrem Bewerbungsgespräch einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben.

Dass es bei der großen Zahl an Bewerbungen doch noch Kandidaten gibt, die von Ihren Vorkenntnissen besser auf eine ausgeschriebene Stelle passen, sollte sie keinesfalls entmutigen.

Relevante Vorkenntnisse und/oder Berufserfahrungen können im Einzelfall hilfreich sein, es kommt jedoch immer sehr konkret auf die jeweils ausgeschriebene Stelle an.

Wir wünschen Ihnen für Ihre berufliche und private Zukunft alles Gute.

Klingt nett, aber wenn sie mich dann doch nicht haben wollen..Jetzt ist nur noch Dresden offen und KWS, weiter hatte ich mich aus Zeit- und Stellenmangel nicht beworben. Mittlerweile ist dies schon so eine Art Dauerwitz geworden:“Und warum sind sie Professor geworden?- Weil mich keiner aus der Industrie eingestellt hat.“

Wie makaber ist das denn?

Jetzt bewerbe ich mich für ein halbes Jahr auf ein DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) Stipendium für China, da kann ich immerhin erstmal Auslandserfahrung sammeln, vielleicht bringt es dann was. Und man bekommt mindestens das Doktorandengehalt von jetzt weiter bezahlt.

Hier muss man aber echt viel texten, Forschungs- und Zeitplan aufstellen und Chef nach Referenzen fragen.. Mein großer Chef war relativ sauer als ich meinte, dass ich einen Referenzbrief brauche bis Ende der Woche (ungefährer Wortlaut: Du bist nicht Zentrum des Universums). Finde ich merkwürdig, ist doch nicht meine Idee, dass man so Referenzen braucht. Ist meiner Meinung nach auch irgendwie bloß ein Zeichen dafür, dass man jemanden wichtigen kennt, quasi ein Vitamin B Grad.

Nagut, am Wochenende geht es wieder los mit Arbeiten und in 17 Tagen ist Verteidigung!

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China und Motivation Juni 7, 2012

Mein Visum ist endlich auf dem Weg zu mir! Wurde ja auch Zeit, mein Flug geht Montag.

Im Moment muss ich für ein Projekt noch haufenweise Proben sammeln und morgen halte ich meinen Testvortrag für meine Verteidigung vor meiner Arbeitsgruppe (20-30 Leute).

Irgendwie alles anstrengend, dabei hatte ich gedacht, nach Abgabe der Promotion könnte ich nochmal Energie tanken bevor ich mich dann ins Arbeitsleben stürze. Offensichtlich verbrauch ich die grade aber in Unmengen. Ohne neue aufzuladen.

Ist das alles bloß eine Kopfsache? So eine Art Einstellungssache? Von wegen Energiehaushalt und Gleichgewicht zwischen Arbeit und Erholung? Und ist Schlafen die Erholung? Oder gehört da mehr dazu? Ich hab irgendwie das Gefühl mich nicht mehr richtig erholen zu können, selbst im Urlaub nicht, das fühlt sich dann an wie Leerlauf..Woran misst man denn den Erholungsgrad?

Hier die Definition für Erholungsgrad sollte ich in der „World of Warcraft“ leben (PC Spiel):

Erholungsgrad

Hier heißt es, je ausgeruhter, umso mehr neue Erfahrungen kann man machen. Man erhält einen Bonus auf seine Arbeit wenn man ausgeruht ist (hier: Monster töten, in echt: Arbeiten 😉 ). Quasi: je besser man drauf ist, umso mehr hat man vom Leben..

Und wie kommt man jetzt zum ausgeruht sein? Was hat der Doktorand von heute für Taktiken?

Was sagt der World of Warcraft Ratgeber:

Woran erkenne ich, ob ich mich gerade ausruhe?
Das Porträt des Charakters blinkt gelb, wenn er sich gerade asuruht. Wenn das Porträt also nicht gelb blinkt, befindet sich der Charakter gerade nicht in einer Ruhezone.

Tja, so einfach kanns sein.

 

Ost und West nach der Promotion Juni 4, 2012

Hier etwas worüber ich mir Gedanken mache:

Achten potentielle Arbeitgeber darauf, ob ich meine Ausbildung und Erziehung eher in Ostdeutschland oder in Westdeutschland erhalten habe? Beeinflusst sie das negativ, dass ich aus einer ostdeutschen Stadt komme?

Im Internet habe ich dazu eine interessante Promotionsarbeit von Maya Gulyanska gefunden (auch wenn hier mehr die IT Berufe im Vordergrund stehen):

Ost-West-Unterschiede in wirtschaftsrelevanten Teilgebieten der Persönlichkeit

„In der Literatur wird oft über die mangelhafte Arbeitseinstellung der Menschen im Sozialismus
berichtet. Lewada (1992) schreibt, dass viele Mitarbeiter in sozialistischen Betrieben oft nur den
Schein einer intensiven Tätigkeit am offiziellen Arbeitsplatz erweckten, um der zynischen
Ausbeutung durch den Staat auszuweichen, gefolgt von der heimlichen Devise „Wir tun so, als ob
wir arbeiten, der Staat tut so, als ob er uns bezahlt“. Die Kraft wurde für die Regelung persönlicher
Angelegenheiten gespart, so dass sich die Leistungsmotivation aus dem beruflichen in den privaten
Bereich verlagerte. Auch Stieler (1993) berichtet über Probleme mit der Einstellung zur Arbeit,
Motivationsmängel, geringem Engagement, zu geringer Bereitschaft zu intensiver Arbeit, schwach
entwickeltem Mitverantwortungsgefühl, sowie kaum ausgeprägter Liebe zum Beruf und wenig
Identifikation mit dem Unternehmen in ostdeutschen Betrieben.“

„In einer Untersuchung von Capital-Rat-Führung (1990) zeigte sich im Rahmen eines Management
Audits, dass ostdeutsche Führungskräfte Defizite in den Persönlichkeitsdimensionen „Dominanz“,
„Belastbarkeit“, „Selbstvertrauen“, „Kontaktfähigkeit“ und „Kontaktfreude“, „Aufstiegswille“,
„Aufgeschlossenheit“, „Flexibilität“, „Spontaneität“ und „Einfühlungsvermögen“ aufwiesen (zitiert
nach Junghans, 1994).“

Im Vergleich haben dann Ostdeutsche doch ein paar Vorteile:

„Insgesamt zeigen sich auf Basis der – der wissenschaftlichen Literatur bisher vorliegenden, auf
unterschiedlichen Stichproben gewonnenen und mehrfach replizierten – empirischen Daten höhere
Werte bei westeuropäischen im Vergleich zu osteuropäischen Mitarbeitern in folgenden
wirtschaftsrelevanten Persönlichkeitsdimensionen:
– Selbstwirksamkeit, Kontrollüberzeugung, internale Ursachenzuschreibung, Aufstiegserwartung
– Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme, Selbständigkeit, Eigenständigkeit
– Eigeninitiative, Umstellungsbereitschaft, Innovationsfreude
– Handlungsorientierung, Entscheidungsfreude, Risikobereitschaft
– Leistungsorientierung, Zielorientierung, Erfolgsorientierung, Suche nach Erfolg als
Leistungsmotiv, Anspruchsniveau, Aufgabenorientierung, Planungshorizont
– Karriereorientierung, Zukunftsorientierung, Führungsorientierung
– Lernbereitschaft
– Wettbewerbsorientierung, Kundenorientierung
– Flexibilität, Mobilitätsbereitschaft bezüglich Gestaltung des Arbeitsortes
– Extraversion, soziales Auftreten
– Fähigkeit zum Erfolg, Intellektuelle Effizienz
– postmaterialistische berufsbezogene Werthaltungen.
Des Weiteren konnten in unterschiedlichen Studien höhere Werte bei osteuropäischen im Vergleich
zu westeuropäischen Mitarbeitern in folgenden wirtschaftsrelevanten Persönlichkeitsdimensionen
nachgewiesen werden:
– Self-monitoring, Streben nach sozialer Anerkennung, Abhängigkeit, Akzeptanzbemühen auf
Grundlage eines überhöhten sozialen Sicherheitsbedürfnisses,
– Soziabilität, Teamorientierung, Hilfeleistungsmotiv in beruflich relevanten Situationen,
Verantwortlichkeit bezüglich der Beziehungsebene
– Frustrationstoleranz
– Externale Ursachenzuschreibung
– Verantwortungsablehnung, Kontrollablehnung, Furcht vor Übernahme von Führungsaufgaben
– Ausweichverhalten, Konfliktscheue, Entscheidungs- und Risikounfreudigkeit
– Lageorientierung, Gegenwartsorientierung, Misserfolgsorientierung, Misserfolgsmeidung als
Leistungsmotiv, Tendenz zur hartnäckigen Zielverfolgung, Suchorientierung
– Konvention, Regel- und Autoritätsorientierung
– materialistische und kollektivistische berufsbezogene Werthaltungen.“
Aber sollte das wirklich ein Entscheidunsgfaktor für Personaler sein?

Sollte nicht vielleicht eher die persönliche Ausprägung und Bildung jedes Einzelnen im Vordergrund stehen?

 

 

 

Superwoman Juni 1, 2012

Hier noch kurz eine Stellenanzeige, die mich ein klein wenig aufregt, wie gut, dass ich mir das hier vom Gemüt schreiben kann.

Die Stellenazeige findet sich hier bei einem sehr großen Biotechnolgiekonzern, der übrigens nur Menschen MIT Berufserfahrung einstellt, hier ein Beispiel für eine reine Praktikantenstelle:

Roche

Diese Stelle ist eine reine Praktikumsstelle, eine anschließende Bachelor-/Master-Thesis oder Diplomarbeit ist nicht vorgesehen.

Start: ab 01.09.2012 für 6 Monate

Who are you

You’re someone who wants to influence your own development. You’re looking for a company where you have the opportunity to pursue your interests across functions and geographies.

Where a job title is not considered the final definition of who you are, but the starting point.

Für die Funktion als Praktikant m/w bringen Sie folgende Voraussetzungen mit:

  • Studium der Fachrichtungen Biotechnologie, Biochemie oder Biologie
  • Erfahrung in Zellkulturtechnik (steriles Arbeiten, Kultivierung von Säugetierzellen, Zellzählungen, etc)
  • Grundkenntnisse in analytischen Methoden (ELISA, Western blotting)
  • Fundierte MS-Office Kenntnisse
  • Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift
  • Eigenständigkeit, Engagement und Teamfähigkeit

The next step is yours. To apply today, click on the „Apply online“ button below.

Roche is an Equal Opportunity Employer

Also ich find das schon ganz schön krass. Und trotzdem überleg ich, ob ich mich darauf bewerben sollte..wenn das die einzige Möglichkeit ist, in ein Unternehmen einzusteigen?

Was wohl die Personaler dazu sagen? Funktioniert das echt so? Praktikum, dann Rausschmiss und woher kommen dann die Berufserfahrenen? Wollen die nicht ihren eigenen Nachwuchs anziehen?

 

mehr ehrgeiz

Heute habe ich damit begonnen einen Antrag auf das Feodor Lynen-Forschungsstipendium der Alexander-von-Humboldt Stiftung zu schreiben. Ist eigentlich nicht schwierig, man braucht nur 15 Seiten darüber schreiben, wo man mit seiner Forschung steht, was man machen will und wie und bei wem.

hier gibts noch ein paar Informationen zu Alexander von Humboldt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Humboldt

Alexander von Humboldt ist einer DER deutschen Forscher überhaupt, er war vielseitig interessiert , an Biologie, Geographie und Physik und Demographie und so weiter. Er hat zahlreiche Forschungsreisen unternommen und viele Feldstudien betrieben und auch sehr viel publiziert.

Da fragt man sich wer das alles finanziert hat?

Zunächst musste Mutti für Ausbildung und Studium blechen,

danach ist Alexander in den Staatsdienst eingetreten (quasi öffentlicher Dienst) und hat vormittags im Bergwerk ! gearbeitet und nachmittags mehrere Vorlesungen besucht. Er steig schnell zum Oberbergmeister aufstieg. Hier wurde er dann weiter befördert und hatte dann angeblich ein hohes Gehalt und dennoch hat er sich nicht ausgeruht, sondern weiter umgeschaut. Später durfte er für Spanien das spanische Kolonialgebiet erforschen und nebenbei sollte er die Gegenden kartieren und auf ihre geologischen Beschaffenheiten untersuchen (Gold, Silber,..). Dafür bekam er einen unbegrenzten Forscherpass! Und die Unterstützung Spaniens dazu.

Er hat noch viel mehr erforscht und geforscht (siehe Wikipedia), aber das ist mein Lieblingsatzvon Wikipedias Autoren:

„Alexander galt seinen Erziehern lange Zeit als eher wenig befähigter, lernunwilliger Kopf.“

(Und das nur, weil er einfach zu unkonzentriert war und lieber seinen eigenen Interessen nachging. Und er hat übrigens nicht mehr als 4 Stunden geschlafen nachts.)

So gesehen, ist Alexander von Humboldt schon so eine Art Vorbild, er hatte Neugier, Motivation, gute diplomatische Fähigkeiten, war verständnisvoll und kommunikationsbereit und vor allem hatte er Spaß am Forschen. Und er hat sich nicht unterkriegen lassen, Jawohl! 😉

 

 
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