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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

eLIFE – ein neues open access Journal April 25, 2012

Heute hat mein Chef hier am Max Planck Institut ein neues open access  Journal (frei verfügbar für die Öffentlichkeit) vorgestellt.

Wissenschaftler werden normalerweise am Wert und an der Häufigkeit ihrer Publikationen gemessen.

Tolle Daten und Entdeckungen schickt man daher meist zu Journalen, die weltweit anerkannt sind. Diese Artikel dann zu lesen, kostet einiges an Geld. Geld, das dann der Verlag verdient.

Der Witz daran ist, dass Wissenschaftler vom Steuerzahler finanziert werden, welche dann, um die Forschungsergebnisse lesen zu können, nochmal drauf zahlen müssen. Die Verlage machen eigentlich fast nichts: die Wissenschaftler haben genaue Formatvorlagen für das jeweilige Journal, andere Wissenschaftler kontrollieren diese Artikel dann auf ihren Inhalt und dann kann der Artikel veröffentlicht werden, der Verlag hat also keine Arbeit.

Das wollen so genannte „open access“ Journale ändern. Diese Journale verzichten auf eine Gebühr zum Lesen der Artikel, haben aber immer noch eine Art Publikationsgebühr, die der Wissenschaftler oder das Institut einmalig zahlen muss. Allerdings kann dann jeder mit Internet diesen Artikel lesen, ohne extra zu zahlen.

Da aber viele an den althergebrachten Journalen festhalten (vor allem ältere Professoren), enthalten diese open access Journale bisher immer nur mittelklassige Artikel, oder Daten, die sonst keiner haben wollte. Was fehlt ist ein richtig gutes Journal, dass einen vergleichbaren Einfluss wie zum Beispiel Nature oder Science hat (beides die Top Journale für Naturwissenschaften). Hier muss allerdings noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn von der Wertigkeit des Journals, in dem ein Artikel veröffentlicht wird, hat einen direkten Einfluss auf zukünftige Stellen oder den Erfolg von Stipendienanträgen.

eLIFE soll nun ein neues sehr hochwertiges open access Journal werden, gegründet und finanziert wird es durch drei sehr große wissenschaftliche Organisationen, der Max Planck Gesellschaft, dem Welcome Trust und dem Howard Hughes Medical Institute. Diese Gesellschaften stellen nun für die nächsten Jahre eine hohe Geldsumme zur Verfügung, damit zu Beginn erst mal keiner irgendwas bezahlen muss.

Damit sollen Wissenschaftler ermutigt werden ihre Ergebnisse statt zu Nature und Science zu schicken, in diesem neuen open access Journal zu veröffentlichen.

Ich bin schon gespannt, was so die ersten Artikel sein werden, hier ist der Link zur eLIFE Seite online

http://www.elifesciences.org/

und Ende des Jahres soll die erste Ausgabe erscheinen, natürlich online, denn hier wird es kein Papierformat mehr geben. Dafür dürfen die Artikel dann ihr eigenes vom Autor angestrebtes Format haben, alle Daten zu diesem Artikel sollen frei verfügbar sein und für jeden umsonst. Dies soll dafür sorgen, dass auf diesen Daten die eigene Forschung aufgebaut werden kann und die Veröffentlichungen kritisch geprüft werden können.

Auf diesen Seiten gibt es noch ein paar Worte zum neuen Journal:

http://www.wellcome.ac.uk/News/Media-office/Press-releases/2011/WTVM053367.htm

http://www.mpg.de/4634182/elife

http://wellcometrust.wordpress.com/2011/11/07/elife-a-journal-by-scientists-for-scientists/

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3 Responses to “eLIFE – ein neues open access Journal”

  1. Dorina Says:

    Mich würde mal interessieren, wie die Artikel auf diesen offenen Plattformen ge-reviewed werden oder ob auch aussortiert wird.
    Die große Angst ist ja, dass sich in solchen Plattformen eben auch Leute ansammeln, die nicht „normal“ veröffentlicht werden. Dass eine Flut an Informationen entsteht, quasi eine hohe Quantität mit wenig Qualität. Und an der Stelle wird dann vielleicht auch bewusster wahrgenommen, welche Herausforderung die Nature/Science/etc. meistert: nämlich das Aussortieren aus einer Masse. Wenn man sich solch ein Magazin kauft, weiß man alle Informationen stimmen, sind gut recherchiert, mussten durch mehrere Instanzen gehen. Bei der offenen Plattform bezahl ich, damit mein (evtl. schlecht recherchierter) Beitrag für alle zu lesen ist.
    Fazit: solche offenen Plattformen sollte man wohl eher mit Vorsicht genießen und sie werden wohl in kürzerer Zukunft nicht mal ansatzweise an dem Status von Nature/Science rütteln/rankommen.
    Meine Meinung 😉
    Grüße!

    • Hallo:)

      Ja, die Artikel die in open access Journalen veroeffentlicht werden, muessen auch von 2 oder 3 unabhaengigen Reviewern (andere Wissenschaftler, die vom Journal gefragtw erden, ob sie den Artikel begutachten moechten- was sie meist tun, da ein haeufiges Ablehnen sonst dazu fuehrt, dass sie nicht mehr in diesem Journal publizieren duerfen) kontrolliert werden.
      Meist sind das Wissenschaftler, die auf aehnlichen Gebieten forschen, aber eigentlich muss der Artikel immer mit ein wenig Fachwissen von selbst verstanden werden koennen.
      Ein wichtiger Punkt ist hier folgender: Werden die aufgestellten Behauptungen ueberhaupt durch die gezeigten Daten unterstuetzt??
      Klar gibt es bestimmt auch Plattformen, welche keiner Kontrolle unterliegen, aber nicht Journale wie eben eLIFE oder PLOS One. Meistens kann man auch auf den Webseiten dieser Journale nachlesen, wie der Review Prozess ablaeuft, da kann man dann sehen, wie und ob kontrolliert wird:)
      Bei Nature und Science laeuft das uebrigens genauso ab.

  2. ach und um an Nature und Science ranzukommen werden die ganzen grossen Profs in den 3 Gesellschaften alle ihre Nature und Science-wuerdigen Artikel und die ihrer Studenten in eLIFE publizieren, eben um genau ein Pendant fuer diese beiden grossen Journale zu erschaffen.


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