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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

Bundesagentur für Arbeit April 29, 2012

Filed under: Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 8:12 pm
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Letzte Woche habe ich mich online freiwillig als arbeitssuchend gemeldet, da mein Stipendium nur noch bis Juni läuft.

Gleich einen Tag später wurde ich dann angerufen, und alle meine Daten wurden hinterfragt,

selbst ob ich jetzt rund um die Uhr Zeit hätte oder nicht,

und ich hab nur gemeint, dass ich demnächst in den Urlaub fahre (obwohl ich fand, dass das nich relevant war, da ich ja im Mai fahre),

und sofort wurde nach dem genauen Zeitraum gefragt. Ich bin im Laufe des Gespräches immer leiser geworden,

da ich immer mehr das Gefühl hatte, verhört zu werden. Nächste Woche bekomme ich dann in Vorbereitung auf mein Gespräch bei denen ein Vorbereitungspaket, dass ich ausfüllen muss bis zu meinem Termin.

Das Lustige ist ja Folgendes: ich bekomm überhaupt keine Leistungen. Ich wohn ja bei Mutti, und da sie meine Familie ist, muss sie auch für mich zahlen..Fand ich ja krass, dass die mich da so verhören, obwohl ich ja nicht mal was bekomme.

Also bitte drückt mir die Daumen, dass bald mal eine meine Bewerbungen Erfolg hat oder ich das Übergangsstipendium bekomme,

denn in die deutsche Bürokratenmühle geraten möchte ich nicht, da ich ja eigentlich super Arbeitsvoraussetzungen habe, von wegen jung, intelligent, ausgebildet, mobil 😉

 

eLIFE – ein neues open access Journal April 25, 2012

Heute hat mein Chef hier am Max Planck Institut ein neues open access  Journal (frei verfügbar für die Öffentlichkeit) vorgestellt.

Wissenschaftler werden normalerweise am Wert und an der Häufigkeit ihrer Publikationen gemessen.

Tolle Daten und Entdeckungen schickt man daher meist zu Journalen, die weltweit anerkannt sind. Diese Artikel dann zu lesen, kostet einiges an Geld. Geld, das dann der Verlag verdient.

Der Witz daran ist, dass Wissenschaftler vom Steuerzahler finanziert werden, welche dann, um die Forschungsergebnisse lesen zu können, nochmal drauf zahlen müssen. Die Verlage machen eigentlich fast nichts: die Wissenschaftler haben genaue Formatvorlagen für das jeweilige Journal, andere Wissenschaftler kontrollieren diese Artikel dann auf ihren Inhalt und dann kann der Artikel veröffentlicht werden, der Verlag hat also keine Arbeit.

Das wollen so genannte „open access“ Journale ändern. Diese Journale verzichten auf eine Gebühr zum Lesen der Artikel, haben aber immer noch eine Art Publikationsgebühr, die der Wissenschaftler oder das Institut einmalig zahlen muss. Allerdings kann dann jeder mit Internet diesen Artikel lesen, ohne extra zu zahlen.

Da aber viele an den althergebrachten Journalen festhalten (vor allem ältere Professoren), enthalten diese open access Journale bisher immer nur mittelklassige Artikel, oder Daten, die sonst keiner haben wollte. Was fehlt ist ein richtig gutes Journal, dass einen vergleichbaren Einfluss wie zum Beispiel Nature oder Science hat (beides die Top Journale für Naturwissenschaften). Hier muss allerdings noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn von der Wertigkeit des Journals, in dem ein Artikel veröffentlicht wird, hat einen direkten Einfluss auf zukünftige Stellen oder den Erfolg von Stipendienanträgen.

eLIFE soll nun ein neues sehr hochwertiges open access Journal werden, gegründet und finanziert wird es durch drei sehr große wissenschaftliche Organisationen, der Max Planck Gesellschaft, dem Welcome Trust und dem Howard Hughes Medical Institute. Diese Gesellschaften stellen nun für die nächsten Jahre eine hohe Geldsumme zur Verfügung, damit zu Beginn erst mal keiner irgendwas bezahlen muss.

Damit sollen Wissenschaftler ermutigt werden ihre Ergebnisse statt zu Nature und Science zu schicken, in diesem neuen open access Journal zu veröffentlichen.

Ich bin schon gespannt, was so die ersten Artikel sein werden, hier ist der Link zur eLIFE Seite online

http://www.elifesciences.org/

und Ende des Jahres soll die erste Ausgabe erscheinen, natürlich online, denn hier wird es kein Papierformat mehr geben. Dafür dürfen die Artikel dann ihr eigenes vom Autor angestrebtes Format haben, alle Daten zu diesem Artikel sollen frei verfügbar sein und für jeden umsonst. Dies soll dafür sorgen, dass auf diesen Daten die eigene Forschung aufgebaut werden kann und die Veröffentlichungen kritisch geprüft werden können.

Auf diesen Seiten gibt es noch ein paar Worte zum neuen Journal:

http://www.wellcome.ac.uk/News/Media-office/Press-releases/2011/WTVM053367.htm

http://www.mpg.de/4634182/elife

http://wellcometrust.wordpress.com/2011/11/07/elife-a-journal-by-scientists-for-scientists/

 

back to Mutti April 23, 2012

Filed under: Freizeit — molekularbiologin @ 3:02 pm
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Da ich ja jetzt uebergangsweise nur eine halbes ‚dual career couple‘ bin, habe ich meine Wohnung leergeraeumt und (danke an meine Helfer) alles zu Mutti geschafft. Mutti wohnt bloss ein Dorf weiter, quasi direkt an meinem Institut.

Was war das Wochenende schoen 🙂 Es gab geregelte Mahlzeiten, meine Waesche wird gewaschen, mittlerweile gibt es auch schnelles Internet auf dem Lande. Dank meiner Mutti kann ich mir die Miete erstmal sparen, und hab wieder was fuer mein spaeteres Vermoegen getan. Oder schonmal was fuer den Flug nach China gespart. Und auf jeden Fall was fuer die Seele getan, zuhause ist es eben doch immer richtig schoen :). Klar darf ich auch was helfen, aber man fuehlt sich gebraucht und kann auch noch was sinnvolles tun. Ich hab sogar meine Biologen-Ur-Natur erfreut und ein paar kleine Pflaenzchen getopft. Danke Mutti 🙂

In Berlin habe ich letzte Woche angerufen, in 2 Wochen bekomme ich die Entscheidung mitgeteilt. Muenchen ist noch nicht weiter. Heute habe ich eine neue Bewerbung abgeschickt, da jetzt alles mit meiner Wohnung geklaert ist, kann ich mich wieder darauf konzentrieren (neben der Vorbereitung zur Verteidigung).

Letzte Woche hatte ich sogar einen Termin bei meiner Bank, aber so richtig gut beraten fuehl ich mich jetzt nicht. Da bau ich dann doch lieber auf die Tipps von (kompetenten) Freunden.

 

 

 

Money April 19, 2012

Filed under: Gehalt,Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 10:57 am
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Wie macht man Geld aus nichts?

Wo bekommt man Geld her nach der Verteidigung wenn es nicht gleich mit dem Job klappt?

Lohnen sich Nebenjobs wie Kellnern und Putzen?

Die Unterstuetzung durch mein Institut endet mit dem Tag meiner Verteidigung.

Ziemlich doof, denn das heisst nicht, dass ich dann schon einen Job habe. Da ich ja keinen schicken Arbeitsvertrag hatte, bekomme ich natuerlich auch kein Arbeitslosengeld. Die Idee einiger Doktoranden ist es gerade, dass jeder zumindest im letzten Jahr seiner Doktorarbeit einen Vertrag bekommen sollte, um dann genau solche Aspekte abzusichern.

Wir haben hier noch eine Graduiertenschule, bei der man sich fuer einen ‚Orientation grant‘ bewerben kann.  Man kann sich dabei entscheiden, ob man 6 Monate ca. 1400 Euro bekommt oder einmalig 2000 um damit in ein anderes Labor, Land, Unternehmen zu reisen, um sich vorzustellen oder ein Praktikum zu machen. Man muss dafuer einen Antrag schreiben, und ein komplettes neues Forschungsprojekt fuer die 6 Monate skizzieren und was man sonst noch so mit seiner Zeit anfangen will. Wichtig ist dabei, dass man zeigt, dass man etwas ganz alleine schaffen will. Ich hab mich da auch erstmal drauf beworben..

Ansonsten muss ich ja jetzt demnaechst Hartz4 anmelden, aber ob ich da was bekommen werde ist fraglich. Ich hab zwar keine Ersparnisse, aber da ich jetzt erstmal wieder bei Mutti einziehe, darf die bestimmt bezahlen.

Die Frage ist nun, wie sichert man sich in dieser Zeit fuer spaeter ab? Irgendwann muss man ja mal damit anfangen, und da ein geregeltes Gehalt noch nicht in Sicht ist, frage ich mich, welche Formen des Sparens und Geldvermehrens wohl am effektivsten sind..Irgendeiner einen Vorschlag?

Was fuer Rentenversicherungen sollte man haben? Was fuer Sparkonten?Was macht Sinn, was ist Unsinn?

 

Panik!? April 16, 2012

Filed under: Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 7:47 pm
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Ich will ja jetzt nicht anfangen und rumheulen, aber mittlerweile steigt die Spannung schon ganz schoen an.

Ich habe immernoch nichts aus Berlin gehoert, aber auch noch nichts aus Muenchen.

Aber ich bin ja auch noch auf Arbeit, habe diese Woche noch einiges im Labor zu erledigen, auch wenn ich schon abgegeben habe, ein weiteres Paper schadet ja nie. Also habe ich mich auch noch nicht weiter beworben.

Aber warum schlaf ich mittlerweile fast ueberhaupt nicht mehr ein? Mir droehnt der Kopf sobald ich entspannen will, und tausend Gedanken schlagen sich in meinem Gehirn gegenseitig zusammen: Was, wenn ich genommen werde? Wo bekomm ich so schnell eine Wohnung in einer neuen Stadt her? Kann ich mir einen Makler leisten? Oder doch erstmal ein Hostel? Werde ich anfangs total vereinsamen? Was, wenn ich nicht genommen werde? Habe ich dann total versagt? Wie gehe ich damit um? Bewerb ich mich weiter? Geb ich auf und geh nach China? Flieg ich zu Besuch nach China? Soll ich mich dann doch bei Deutschland sucht den Superstar anmelden (*scherz*)?

Ich hab ja schon fast Angst gleich nachhause zu gehen, gut, dass mein Kollege noch die Maschine fuer meine Proben blockiert.

 

Urlaub und Kinderbetreuung April 13, 2012

Sind euch eigentlich die vielen Kinder diese Woche (Osterferien) aufgefallen?

Der Paketzusteller, der LKW Fahrer, selbst in Bars habe ich diese Woche auffallend viele Kinder im Grundschulalter gesehen, die vor allem mit ihren Papis unterwegs waren. Andere Berufe ausser den Naturwissenschaftlern haben also genau die gleichen Probleme.

Und das kann man auch leicht ausrechnen: 6 Wochen Sommerferien plus 3 Wochen verteilt auf Oster- und Herbstferien macht 9 Wochen, das sind 45 Tage, die man theoretisch Urlaub bräuchte um sein Kind zu betreuen. Nehmen wir mal an, wir betrachten eine glückliche 2-Eltern-Familie, die vielleicht 2 Wochen zusammen mit dem Kind in den Urlaub fahren wollen, die beide nur 20 Tage Urlaub haben, (und die anderen 10 machen sie dann getrennt Urlaub mit Kind), haben wir noch 3 Wochen übrig, die dann wer betreut? Oma? Hort? Ferienlager?

Und muss ich dann immer mit Kind Urlaub machen?

Wieviel Urlaubstage kann man denn verlangen?Und spricht eine höhere Ausbildung für mehr Urlaub? Was ist mit Menschen, die einer harten körperlichen oder psyschisch anstrengenden Arbeit nachgehen? Oder die im Labor stehen und eigentlich nie Urlaub machen sollen/dürfen?

 

dual career couples April 10, 2012

Seit heute morgen bin ich für die nächsten Monate erstmal nur ein halbes “dual career couple”.

Daher möchte ich dieses Lebensmodell etwas mehr beleuchten.

Ich habe sogar einen wissenschaftlichen Artikel von Holahan and Gilbert, aus dem Journal Human Relations von sage und schreibe 1979 dazu gefunden! Scheint also nichts Neues zu sein, auch wenn dieser Begriff der „dual career couples“ immer häufiger auftritt. In dieser Studie wurden 28 dieser „Doppel-Karriere-Pärchen“ anonym befragt, in wie fern die gleichen beruflichen Anforderungen einen Einfluss auf die übliche Mann-Frau-Rollenverteilung hatten.

Die Behauptungen die aufgestellt wurden waren diese: 1) Frauen in diesem Modell hätten unter größeren Rollenkonflikten zu leiden als Männer, da sie nun eine zusätzliche Rolle übernehmen würden, vor allem im Hinblick auf das „Eltern-sein“ und 2) dass die Frauen bei entsprechender Unterstützung durch den Mann, guten Karrieremöglickeiten und Anerkennung als Frauen im Beruf, diese Konflikte viel weniger als solche empfinden würden.

Eines der (wie ich finde offensichtlichen) Ergebnisse, war unter anderem, dass Rollenkonflikte viel stärker bei Pärchen mit Kindern auftraten. Die Gruppe der Pärchen mit Kind war generell im privaten und beruflichen Bereich zufriedener, dafür befürworteten die Pärchen ohne Kind profeministische Bewegungen stärker. Der Konflikt zwischen dem beruflichen Ich und dem privaten Ich war in beiden Gruppen der Größte.

Zusammenfassend schreiben die Autoren, dass „dual career couples“ fuer eine Gleichheit innerhalb der Beziehung stehen, Entscheidungen eher zusammen getroffen werden und das Paar eine stärkere Einheit ist.  Allerdings würde dieses Modell noch nicht an eine „dual career family“ angepasst sein, also den Faktor des Kindes vernachlässigen.

Ich habe auch schon einige Wissenschaftler-Pärchen kennengelernt, und solange man Arbeit und Privat irgendwie verbinden kann, scheint das auch zu funktionieren. Einige Universitäten stellen sogar gerne Karrierepärchen ein, um die „Exzellenz“ zu sichern. Ich könnte mir vorstellen, dass das vor allem gut für die Frauen ist, die dann nicht unbedingt zurückstecken müssen, damit der Mann Karriere machen kann.

In meinem Fall ist es nun aber so, dass einer der Partner in der Forschung tätig ist und der andere in einem Unternehmen (so soll es jedenfalls bald sein), von „gemischten“ dual career couples habe ich noch nicht so viel gelesen oder gehört. Hier muss man sich dann eben selbst helfen und versuchen, beide Interessen aufeinander abzustimmen. Aber wer darf hier den Ton angeben? Schließlich wollen ja beide Karriere machen!

 

 
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