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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

Was bin ich wert? März 29, 2012

Filed under: Gehalt,Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 2:52 pm
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Eine Frage, die mich wirklich oft beschäftigt, ist mein zukünftiges Einkommen.

Zu meinem jetzigen Gehalt gab es am 28.03.2012 einen Artikel auf Spiegel online zu lesen:

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,823951,00.html

Für mich kam das relativ überraschend, denn bis jetzt hat das noch keinen so richtig interessiert, außer vielleicht einige Doktoranden.

An unserem Institut hatten sich im letzten Jahr ein paar Doktorandenvertreter zusammen gefunden und die Direktoren ein wenig unter Druck gesetzt (alle 2 Jahre gibt es ein Advisory Board Meeting in dem die Arbeit der Direktoren bewertet wird, darunter fällt auch die Doktorandenbetreuung).

Seit dem hat es einige Neuregelungen gegeben, leider gibt es dadurch nicht mehr feste Verträge, aber das Stipendium ist jetzt mehr wert und es gilt gleiches Recht für alle,

im 1. Jahr bekommen Doktoranden bei uns ein Stipendium von 1200 Euro, im 2. Jahr 1300 und im 3. Jahr 1340 Euro. Auch kann nun ohne Schwierigkeiten ein 4. Jahr beantragt werden, hier kann der Direktor aber auch wieder zum Stipendium vom 1. Jahr zurückkehren. Für Kinder gibt es nochmal um die 400 Euro extra und seit diesem Monat, bekommen wir sogar 50% aber nicht mehr als 100 Euro des Krankenkassenbeitrages zurückerstattet. Selbst die Berufsunfallversicherung konnte für 10 Euro im Monat beantragt werden und wurde dann auch wieder erstattet. Alles in allem eigentlich ganz gut.

Leider kann ich aber nicht einschätzen, was mir an „Rentenpunkten“ verloren geht, da habe ich keine Ahnung. Interessiert mich auch gerade nicht, da ich da grad fast gar nicht dran denke, an die Rente, vielleicht ein Fehler, aber das weiß ich nicht.

Oft wird kritisiert, dass Stipendienzeit nicht als Berufserfahrungszeit gewertet wird, das kommt aber immer auf das Unternehmen an. Einige sehen auch die Zeit der Doktorarbeit als Berufserfahrung an und passen demnach auch das Einstiegsgehalt an.

Aber wie hoch kann das denn jetzt sein? Wenn ich mich mit Doktoranden mit Vertrag vergleiche bekomme ich in etwa soviel wie eine halbe Stelle auf der ersten Lohnstufe im öffentlichen Dienst. Müsste ich also mindestens eine volle Stelle bezahlt bekommen, macht ca. 1300 Euro *2 *12, also ca. 31 200 Euro im Jahr brutto. Post Docs bekommen bei uns ab 1500 Euro aufwärts. Leider ist das hier aber auch geheim. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft vergibt Post Doc Stipendien von monatlich um die 1300 Euro (plus Kinder-, Reise- und Büchergeld). Im Internet habe ich auch schon versucht mehr über Einstiegsgehälter für Biologen zu finden, aber das sind Stufen zwischen 32000 und 54000 Euro, liegt also wirklich immer am Unternehmen und an den Verhandlungen. Aber wer traut sich die zu?

Und was sind denn bitte meine Argumente? Ich habe 3 Jahre im Labor gestanden und Ergebnisse publiziert, wer kann sich denn davon bitte was kaufen? Schließlich habe ich ja bloß meine Freizeit mit Forschung verbracht und wurde dafür auch noch bezahlt, früher hätte ich mir da einen König oder reichen Fürsten als Sponsor suchen müssen und heute? Und ich weiß ja auch nicht, was denn so das „Übliche Gehalt“ sein sollte.

Wie viel braucht man denn zum Leben und wie viel zum Sparen, wie viel für später und wie viel ist für Doktoren angemessen? Ein Freund meinte vor kurzem: „Ich habe zusammen mehr als 8 Jahre studiert und meine Doktorarbeit geschrieben und konnte mir nichts leisten oder ansparen in dieser Zeit, irgendwer muss jetzt dafür bezahlen.“

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6 Responses to “Was bin ich wert?”

  1. Dorina Says:

    Sehr interessanter Beitrag!
    Was mich insbesondere interessieren würde: wieviel der Dr.-Titel tatsächlich in der Wirtschaft ausmacht, gehaltstechnisch aber auch bei der Jobsuche. Dazu habe ich nirgends Statistiken oder Zahlen gefunden und wie der Freund schon meinte, irgendwie muss man doch für diese entbehrungsreiche Zeit belohnt werden. Dann müssten man also noch unterscheiden zwischen den Einstiegsgehältern der Diplom/Master/Bachelor-Biologen, sowie den Doktoren. Aber wird das auch praktisch so umgesetzt? Oder muss jemand mit einem Dr.-Titel tatsächlich für 32T EUR arbeiten gehen?
    Fragen über Fragen 😉

    • Danke fuer deinen Beitrag,

      in einem Workshop in unserem Institut habe ich gelernt, dass man in die „Industrie“ meist direkt nach dem Studium einsteigen sollte.
      Kommt natuerlich in einem Kurs fuer Doktoranden relativ spaet. Nur wirklich wenige Stellenanzeigen suchen nach promovierten Biologen, aber fast alle setzen Berufserfahrung voraus. Die Personalerin in meinen ersten Gespraech meinte, es waere wichtig, Gehaltsvorstellungen schon fruehzeitig zu klaeren, da neue Mitarbeiter mit Berufserfahrung meist schon auf einem hoeheren Gehaltslevel stehen, als Einsteiger. Meiner Meinung nach haben Einsteiger nicht wirklich viel zu sagen, sondern muessen eher auf die gerechte Bewertung durch die Personaler hoffen. Ich denke aber, dass in dem Unternehmen meiner Wahl das Gehalt fuer Einsteiger aus der Akademie relativ gleich angesetzt wird, also so ab die 42T sollte man mindestens verlangen.

  2. dreamfresh Says:

    Hi,
    ich bin gerade etwas ueberrascht, was das Gehalt der Postdoktoranden angeht.
    Ich bin gerade selbst Doktorand in Irland (Physik) und da bekommt man schon mit, was die Post-Docs hier bekommen und das liegt bei ca. 2600-2800Euro netto (an der Uni). Die Doktoranden liegen bei 1300-1500Euro, je nachdem, woher man das Stipendium bezieht.(Man verdient prinzipiell etwas mehr in Irland, da die Lebenshaltungskosten etwas hoeher sind.) Daher finde ich doch 1500Euro fuer nen Post-Doc zu niedrig angesetzt. Zumindest verwundert es mich.

    • @dreamfresh,
      ja ich habe mich ja auch schon in einigen anderen Leuten umgehört, da geht das Gehalt auch so ab 2300 Euro los,
      in Deutschland ist das gehalt aber eher nicht so hoch, ich denke, dass kommt aber auch auf den Chef an, denn der kann die Gehälter festlegen. Ich glaube bis jetzt gab es bei uns so eine Art Prämiengehalt, soll heissen, pro Publikation wurde bei den PostDocs auch das Gehalt schrittweise erhöht. In der Schweiz, Österreich und den Niederlanden hatte ich mir auch PostDoc Stellen angeschaut, und die gingen alle wie gesagt ab 2300 Euro los, irgendwie auch ein Grund, ins Ausland zu gehen..

  3. BiologieFTW Says:

    Hallo zusammen,

    ich habe vor Kurzem meinen Master in Biologie gemacht und wollte gerne in der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie einsteigen. Einen Doktor habe ich zwar nicht ausgeschlossen, aber nach dem langen Studium war mir einfach nach nem richtigen Job, neuen Herausforderungen und nach einem neuen Umfeld. Im Gegensatz zu „molekularbiolgoin“ habe ich in der letzten Zeit die Erfahrung gemacht, dass man für einen Einstieg in der Industrie einen Doktortitel braucht. Ich habe mit Personalern von Merck, einem Teamleiter bei Satorius und zwei Personalvermittlern für Naturwissenschaftler gesprochen. Die „guten“ Jobs (meinen Wunschjob in der Forschung) gibts nur für promovierte Biologen und mir wurde ausdrücklich geraten, den Doktor zu machen. Alle anderen wären nur „bessere Laboranten“ und müssten bei Stellenausschreibungen immer hinter den Bewerbern mit Doktortitel zurückstecken. Des Weiteren wurde mir gesagt, dass man als nicht-promovierter immer mit den „Dr.s“ in Konkurrenz steht und mit ihnen verglichen wird. Wer will schon der Arsch in der Abteilung sein?! Außerdem sind wir in Deutschland konservativ: Auch in der Industrie muss man mit Kunden, Partnern und anderen Wissenschaftlern auf einem „Level“ kommunizieren. Kein Arbeitsgruppenleiter oder gar Prof. lässt sich von dir was andrehen oder will mit dir kooperieren wenn du Herr/Frau Mustermann bist und nicht Dr. Mustermann.
    Für mich steht fest: Den Doktortitel brauche ich um adequat bezahlt und behandelt zu werden, sowie überhaupt einen Job zu bekommen.

    • Hallo,
      danke für deinen Kommentar.
      Klingt ja interessant, dass die wirklich Leute mit Dr. Titel einstellen wollen, statt „nur“ Leute nach dem Studium. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass überhaupt keiner Berufseinsteiger einstellen will, und es sieht so aus, als wenn alle nach dem Dr. entweder in der Forschung bleiben würden oder erstmal mindestens ein Jahr arbeitslos sind, bis sie dann einen Job in einem Unternehmen finden (jedenfalls ist das in meinem Bekanntenkreis so). Ich wünsch dir viel Glück mit der Dr. Arbeit:)


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