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Wie kommt man von der Forschung in die Wirtschaft? Ein Selbstversuch.

Mein Gastbeitrag März 29, 2012

Filed under: Wissenschaft und Wirtschaft — molekularbiologin @ 2:15 pm
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Hier nochmal mein Gastbeitrag auf Martins Blog:

 

Ich bin Doktorandin im Bereich der Pflanzenforschung, Ebene Molekularbiologie.

Ende Februar habe ich meine Dissertation nach guten 3 Jahren Laborarbeit eingereicht, und zu diesem Zeitpunkt bin ich auf ein neues Problem gestoßen:

Während langer Abende, Wochenenden oder einfach bloß anstrengenden Tagen in meinem Institut geisterte immer eine Illusion durch meinen Kopf: nach der Doktorarbeit arbeite ich in der Industrie! „Magische Industrie“  nenne ich es auch gerne, denn so richtig weiß eigentlich keiner, was das sein soll und wie man da hinkommt. Genau das probiere ich gerade aus und möchte mein Wissen darüber gern teilen, vermehrten und vielleicht muss ich es einfach auch nur loswerden.

Beginnen sollte man wahrscheinlich damit, was man eigentlich den ganzen Tag bei der Arbeit in der „Industrie“ tun möchte und kann. Oder eben damit, Stellen zu suchen, die irgendwie passend und spannend klingen. Ich hab mit letzterem angefangen und fleißig das Internet durchsucht. Sehr empfehlen möchte ich die Suchmaschinen auf www.jobvector.de und www.academics.de auch die Jobbörse der Uni Heidelberg ist ganz hilfreich.

Ich bin ein Fan von Seiten, die einem automatisch nach einmaligem Speichern meiner Suchwörter wöchentlich ganz von alleine neue Stellenanzeigen zuschicken. Man kann auch ewig selbst suchen, aber dafür gehen Tage drauf, und ich bin immer noch im Labor und „beende“ einige Projekte. Außerdem läuft mein Stipendium zum Glück noch bis zu meiner Verteidigung, ich kann mir also ein wenig Zeit lassen.

Hat man dann also eine schicke Stelle gefunden, kommt der nächste Schritt: Bewerbung schreiben, Zeugnisse einscannen, Lebenslauf und Publikationsliste (wenn vorhanden), alles muss fehlerfrei und perfekt formatiert aussehen, mal abgesehen vom Inhalt. Wichtig im Anschreiben sind Ergebnisse, vor allem wenn man wie ich in die „Industrie“ möchte. Teamfähig sind wir heute ja fast alle, furchtbar fleißig und motiviert sowieso, wichtig sind hier Belege. Fachpublikationen, Studentenbetreuung, Public Relations, Lange Nacht der Wissenschaften – alles Resultate, die einen Personaler oder Chef beeindrucken können.

Schlechte Erfahrung habe ich mit Firmenportalen, in die man sich eintragen soll, statt einer Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle. Noch heute bekomme ich von manchen Firmen standardisierte Mails, von wegen „ … wir begutachten ihre Unterlagen, und bitten sie daher noch um etwas Geduld …“. Außerdem weiß man bei solchen Portalen nicht genau, wer überhaupt gesucht wird und kann nur sehr unpersönlich eine riesige Mengen an Daten hinterlassen, der Aufwand lohnt meiner Meinung nach nicht. Bei größeren Firmen sollte man auch mit einer etwas längeren Bearbeitungszeit rechnen.

Nach etwas 2 Monaten hatte ich eine Bewerbung schon gedanklich beerdigt, als ich einen Anruf bekam und zu einen Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. Ich war relativ fassungslos, aber eingeladen wurde ich trotzdem und hatte dann mein erstes Interview.

Dafür hatte ich mich vorher auf diversen Websites belesen, Freunde und Eltern befragt, und mich auf jeden Fall ziemlich stark unter Druck gesetzt, mehr gelernt als jemals zu einer Biologie-Prüfung und am Ende war ich ziemlich fertig. Für das Gespräch musste ich nach Berlin fahren, und mein Vorstellungsgespräch war eigentlich ein ganzer Vorstellungstag, mit einem Vortrag über meine Arbeit und mehreren Einzelgesprächen. Klingt gruselig, war dann aber relativ milde, denn ich musste fachlich fast nichts wissen, dafür sollte ich wiederholt beantworten, wie ich Probleme lösen würde, mit Kritik umgehen könnte und die ganz große Frage war immer wieder: Warum möchten sie in unserem Unternehmen arbeiten und nicht weiter in der Akademie bleiben? Da kann man ja schlecht sagen, weil ich Geld verdienen möchte für die Zeit, die ich arbeite, weil diese Zeit begrenzt wäre, weil man Anspruch auf Urlaub hätte und ein Arbeitsvertrag sowie ein langfristiges Arbeitsverhältnis das sind, was ich will. Merkwürdigerweise musste ich lang und breit erklären wieso ich nun in die angewandte Forschung möchte, obwohl fast alle der Befragenden selbst eine akademische Laufbahn hinter sich hatten. An dieser Stelle sollte wohl getestet werden, ob ich bloß aus dem Hamsterrad ausbrechen möchte, oder ob ich auch wirklich in einem Unternehmen arbeiten will.

Aber mal ehrlich, woher soll ich das eigentlich wissen? Ich war doch nie in einem Unternehmen tätig. Hätte ich hier als Student ein Praktikum absolvieren sollen? Und wer hat die Gelassenheit und das Geld, direkt nach dem (Bio-) Studium auf Jobsuche zu gehen, so ganz ohne Berufserfahrung? Also sucht man sich ein nettes Thema für seine Doktorarbeit, weiß, dass man erst mal für drei bis vier Jahre versorgt ist und begreift dann nach und nach, dass man entweder direkt in die „Industrie“ hätte gehen sollen, oder aber man fängt dann an, sich Methoden anzueignen, die später von Nutzen außerhalb der Forschung sein könnten (Zeitmanagement, Projektmanagement, Lehrqualifikationen). Aber vor Beginn meiner Thesis hätte ich mir auch eine Laufbahn in der Akademie vorstellen können.

Nun muss ich zwei bis drei Wochen auf eine Entscheidung warten, ich habe allerdings auch noch andere Bewerbungen laufen und gerade wieder eine abgeschickt, diesmal nach München.

Wichtige Punkte, die ich noch klären möchte, sind zum Beispiel:

  • Die Höhe des Gehalts einer ausgebildeten Doktorandin in der „Industrie: da sagt einem keiner was dazu! In manchen Instituten scheint es sogar ein Kündigungsgrund zu sein, über das Gehalt zu reden. Warum?
  • In welchen Berufen kann man als fertiger Doktor überhaupt arbeiten? Wer will mich?
  • Was können andere besser (wie geht man mit Absagen um)?

Einige dieser Fragen hoffe ich im Laufe der nächsten Wochen und Monate beantworten zu können, für hilfreiche Kommentare wäre ich sehr dankbar. Daher wird man mich in meinem Blog begleiten können.

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2 Responses to “Mein Gastbeitrag”

  1. WeiterGen Says:

    Keep it up!
    Ich bin gespannt, wie es bei dir weiter geht und hoffe, du schaffst es regelmäßig hier zu schreiben.


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